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Kunst&Kultur Tagebuch

Brief an die Modeindustrie

Liebe Modeindustrie, liebe Klamottendesigner, insbesondere die, die Hosen herstellen.

Lassen wir mal all die Punkte beiseite, dass es bis heute für den Normalverbraucher beinah unmöglich ist, nachhaltig produzierte Kleidung zu kaufen. Und auch, dass insbesondere Kleidung für Frauen super kurz hält, weil irgendwer da draußen offenbar glaubt, dass Frauen ihre Klamotten eh nach spätestens fünfmal tragen scheiße finden und wegwerfen wollen. Ich habe ein anderes Anliegen.

Ist Ihnen aufgefallen, dass es in Ihren Filialen ein akutes Diebstahl-Problem gibt? Man kann kaum noch in einen Laden gehen und nicht Opfer dieser Praxis werden.

Mir riss kürzlich während einer öffentlichen Führung im Wald vor einer Gruppe Menschen die Hose im Schritt. Dies machte mir deutlich, dass ich nicht nur wegen Corona den letzten Hosenkauf vor Jahren getätigt hatte – und schon damals war ich Opfer gewesen!

Also besuchte ich diverse Filialen um die gerissene Hose zu ersetzen. So sehr ich aber auch aufpasste und mich bemühte, eine nicht Betroffene Hose zu ergattern – spätestens zuhause wurde mir gewahr:

Ich war erneut Opfer von Hosentaschenstoffdiebstahl geworden!

Sie haben richtig gehört, Hosentaschenstoffdiebstahl!

Sie greifen zu einer Hose, die vier Hosentaschenschlitze zeigt, zum Teil extra mit Nieten, Knöpfen oder gar Strass-Steinchen verziert. Aber einmal nicht extra geprüft und mitgenommen, fällt einem zuhause auf: Großer Schlitz und nichts dahinter! Kein Platz für einen Schlüssel, ein Handy, den Geldbeutel oder eine Packung Taschentücher! Wie kann man das Gefühl beschreiben wenn man derartiges erlebt? Es ist, als wäre einem der Ringfinger amputiert worden, jawohl.

Der ein oder andere mag nun einwerfen: „Ach nein, das ist doch von den Designern so gewollt. Die Hosen werden von vorne herein ohne Taschen geplant. So eine volle Hosentasche am Frauenkörper wirkt schließlich unförmig. Und die Handtaschenindustrie muss doch auch Menschen ernähren!“

Aber diese Erklärung schmettere ich mit aller Entschlossenheit ab! Schließlich sind Überreste von Taschen stets zu sehen. Ergo muss es einmal Hosentaschenstoff gegeben haben. Ich kann zwar nicht sagen, wozu er, sobald gestohlen, genau gebraucht wird (Adventskalender? FFP2-Masken? Männerhosentaschen? Die Möglichkeiten sind ja schier unendlich!). Aber ich kann mir außerdem denken, dass Frauen, die durch gestohlene Hosentaschen dazu gezwungen sind, ihre Wertsachen in Handtaschen zu stecken (die, wie allgemein bekannt, das was man in sie steckt nicht mehr her zu geben pflegen), eher einem Handtaschenraub zum Opfer fallen.

Die Gilde der Handtaschenräuber macht also mindestens gemeinsame Sache mit den Hosentaschenstoffdieben! So weit können wir den Fall zu den Akten legen. Ob auch die Handtaschenindustrie mit drin hängt, möchte ich aus juristischen Gründen nicht zur Diskussion stellen, aber trotzdem in den Raum geworfen haben.

Ich bitte Sie nun also darum, liebe Hosendesigner und -produzenten, liebe Hosen-verkaufende Filialleiter: Suchen Sie nach den Schuldigen, sperren Sie sie ein und schützen Sie Ihre Produkte vor zukünftigen Eingriffen durch Hosentaschenstoffdiebe! Auf dass Frauen ihr praktisches Hab und Gut in Zukunft wieder in jeder Lebenslage parat haben, auch ohne sonstwo herab baumelnde Hilfsmittel nutzen zu müssen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Ihr Tinschen

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