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Reise Tagebuch

G’schichtn aus dem Blablacar #1

Seit meiner Zeit in Halle habe ich Blablacar schätzen und lieben gelernt. Während meines Studiums habe ich mir regelrecht sogar Geld durch meine Fahrten nach Hause dazu verdient. Alle paar Wochenende hatte ich bis zu drei Leute dabei und tat ihnen wie mir und dem Klima etwas Gutes … nur gar nicht fahren wäre noch besser gewesen – Zug fahren ist schließlich leider nach wie vor noch nicht für alle eine Alternative. Nicht jeder kann für eine spontane Fahrt 120€ hinlegen und dableiben ist nicht immer eine Option!
Außerdem: Wo im Zug die Mehrheit Anonymität wünscht und man lieber still vor sich hin döst, gehen mit einem spannenden (Mit-)Fahrer die Stunden im Auto sehr viel schneller vorbei, man lernt jede Menge voneinander oder manchmal schließt gar Freundschaften!

Gelegentlich erlebt man auch besonders abgefahrene Geschichten – meist der guten, selten der schlechten Art. Darum soll es in diesem neuen Format gehen!

Kategorie: „Fahrten, die dann doch nie stattgefunden haben“

#1 Die Prinzessin

Die angebotene Fahrt ging von Halle nach Eichstätt. Ich denke im späten August und ich erhielt eine Nachricht von einer etwa 18-jährigen Frau, die auf ihrem Profilbild relativ aufgetakelt daherkam. So Marke „Prinzessin“. Die Anfrage enthielt ungefähr folgendes:

„Hallo, ich werde von Köthen aus mitreisen und ich will nicht nach Eichstätt sondern nach Ingolstadt. Bis dann!“

So dreist formuliert war es nicht (es klang aber ähnlich hektisch), aber aufgrund des noch folgenden Nachrichtenwechsels habe ich das jedenfalls so abgespeichert.

Ich bin ja grundsätzlich hilfsbereit und habe mir erstmal angeguckt, was für einen Umweg die kleine Dame von mir da verlangte: 2 Stunden und 120 km mehr!
Also meine liebgewonnene Stamm-Mitfahrerin wäre auch erstmal eine Dreiviertelstunde mit mir raus in die Prärie gegurkt. Ganz zu schweigen von eventuellen weiteren Mitfahrern. Nee, da hab ich erstmal nochmal nachgefragt, obs nicht anders geht. Ich hatte schließlich an dem Tag mehr vor, als eine Person aus Spaß durch halb Deutschland an Orte zu kutschieren, wo ich gar nicht hin will.

Links, die geplante Strecke. Rechts, die gewünschte Strecke (ohne den Extrawunsch, dann noch in Ingolstadt in die Peripherie verbracht zu werden).

„Hallo! Schön, dass Du mitfahren willst! Aber Köthen und dann auch noch Ingolstadt das ist schon ein ziemlicher Umweg für mich und eventuelle Mitfahrer. Kannst Du bitte mit dem Zug erstmal nach Halle Hauptbahnhof kommen, da sammle ich Dich gerne ein. Und mit Ingolstadt schauen wir mal, wo die anderen dann vielleicht hinwollen. Wenn Du die letzte im Auto bist, dann könnte ich Dich auch noch in Kinding rauslassen, von da bist Du in 20 min am Hbf!“

„Nein, das geht leider nicht, ich habe zwei schwere Koffer dabei. Ich kann die gar nicht allein tragen! Ich muss in Ingolstadt auch nicht an den Hauptbahnhof, sondern zu meiner neuen Wohnung und da komm ich nur mit dem Auto hin“

„Ja ok Ingolstadt will ich ja gar nicht so ausschließen. Aber hast Du keinen starken Freund mit etwas Zeit, der Dir hilft, das Gepäck bis nach Halle in meinen Kofferraum zu bringen? Ich bin jetzt auch nicht gerade Bodybuilderin 😉“

„Nein, habe ich nicht und ich habe nicht genug Geld für so viele Zugfahrten und außerdem sind die Koffer viel zu groß für den Zug.“

Da wurde ich dann doch langsam stutzig, was sie da anschleppen würde?

Sowas vielleicht?

„Aha. Aber Du hast schon gesehen, dass ich nur einen Twingo hab und keinen Kleintransporter?“

„Jaja. Der wird schon reichen. Notfalls müssen wir halt die Sitze umklappen“

„Aber es fährt schon jemand mit, wo soll ich die dann hinsetzen?

„Ach, dann kann halt nur ich mitfahren.“

Ich war platt. Aufgrunddessen, dass sie ja schon die Zugfahrt (nach heutigem Stand 9,90€ + ca. 12€ Autofahrt vs. Mindestens 50€ für die komplette Strecke) aus Kostengründen abgelehnt hatte, hab ich gar nicht erst erwartet, dass sie mir dann das dreifache für die Strecke anbieten würde.

„Tut mir leid, ich glaube Du musst Dir einen anderen Weg suchen, um nach Ingolstadt zu kommen. Schau, ich bin kein Umzugsunternehmen und ich wollte eigentlich auch um xx in Eichstätt sein und nicht 2 Stunden Umweg machen für jemand, der mir dafür nur 12€ zahlt. Ich wünsche Dir eine gute Fahrt mit einem passenderen Fahrer!“

Was danach kam, kann ich nicht mehr wiedergeben. Aber ich weiß noch, dass es mehr als eine Nachricht war – darunter kein Angebot, die Koffer wie Personen zu bezahlen. Sie tat z.B. so, als wäre ihre Buchung bindend und es wäre nicht mein Recht, zu stornieren. In den weiteren beschimpfte sie mich, was für ein schlechter Mensch ich wäre und dass ich mich anstellen würde wegen den paar Euro Verlust.

Ob Prinzesschen wohl doch noch irgendwie nach Ingolstadt gekommen ist? Leider hab ich sie nach dem ganzen nicht angeschrieben 😉

Was hast Du schon als Mitfahrer oder Fahrtanbieter erlebt? Schreib’s gerne in die Kommentare!

Eine Antwort auf „G’schichtn aus dem Blablacar #1“

Oh Gott, ich hab ein richtiges Bild vor Augen… richtige Schantalle!

Ich bin mal in nem vollgepackten Auto zu fünft mitgefahren, da hat nach 5 Minuten (von 3 Stunden) ein Mitfahrer durch seine Äußerungen klargemacht, dass er ein Rechter ist… danach war 3 Stunden Stille…

Ein andermal saß ich als Mitfahrer hinten rechts und auf dem Mittelsitz war der größte Kindersitz den ich je gesehen habe, da hatte ich noch nen halben Sitz Platz… -.-

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