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Reise Tagebuch

Nach langer Zeit zurück im Altmühltal (2)

(Hier geht es zum ersten Teil dieser Minireiseserie)

Nach dem Spaziergang mit Ruth und Willi ging es dann bald weiter zu meinen eigenen Eltern. Bis das Abendessen fertig war, ging ich noch mit meiner Schwester und ihrem Freund die ganz große Runde mit Sissi Gassi.

Dorfromantik

Später abends setzte ich mich noch in den Garten meiner Eltern und arbeitete an meiner Liste für die Stunde der Gartenvögel.

Das war mein Ergebnis:

NameName LateinAnzahl
AmselTurdus merula1
BlaumeiseCyanistes caeruleus1
BluthänflingLinaria cannabina2
DohleColoeus monedula2
FeldlercheAlauda arvensis2
FeldsperlingPasser montanus2
HausrotschwanzPhoenicurus ochruros1
HaussperlingPasser domesticus5
KuckuckCuculus canorus1
RauchschwalbeHirundo rustica4
StarSturnus vulgaris1
TurmfalkeFalco tinnunculus2

Seit unser armer süßer Micky verschwunden ist, soll es viel mehr Vögel im Garten geben und die würden sich jetzt sogar trauen, im künstlichen Bachlauf zu baden. Ich hätte es da tatsächlich gar nicht mehr so schwer, mich zwischen Katze und Wildvögel zu entscheiden, wenn ich ehrlich bin. Ein ganz großes, persönliches Highlight war für mich auch dabei: Ein Pärchen Bluthänflinge! Hatte ich vorher nie gesehen, höchstens mal erahnt zu hören. Auch sehr schön waren die geschäftigen Rauchschwalben und die zwei Turmfalken. Ach, eigentlich alles. Auch das Licht.

Nochn Rahmen drum und schon kannste das über Ommers Sofa hängen.

Ich kann aber nur davon erzählen, ich war nur mit dem Fernglas unterwegs. Höchstens die Bilder von der Dämmerung kann ich Euch noch zeigen.

Ha! Ich habe die Polizei geblitzt!

Mein Versuch, Nachtfalter anzulocken, den mein Vater tatkräftig und interessiert unterstützte. lief nicht so toll – es war doch noch zu kalt und zu windig. Gegen elf fing es dann auch noch an zu regnen. Satz mit x.

Eiiiiine Stimmung hier!

Am nächsten Morgen ging es dann wieder auf Wanderschaft, mit der ganzen Familie einschließlich Hund. Eine der schönsten Wanderrouten im Altmühltal ist nicht weit von meinem Elternhaus – die Runde vom Solnhofener Bahnhof über die Teufelskanzel nach Esslingen und zurück über die zwölf Apostel. Den hatte mir auch die uns Dresdnern sehr liebe Naturfreundin Maria Ortega herzlich empfohlen.

An der Teufelskanzel herrschte flächig der gelbe Aspekt vor. Das müsste Potentilla reptans gewesen sein.

Beinah hätte meine Familie einfach die Teufelskanzel übersprungen. Aber ich trieb sie unerbittlich den Hügel zur Teufelskanzel hinauf, meinen Wanderstock wie einen Hirtenstab einsetzend (zumindest so ungefähr). Allzu viele Pflanzen konnte bei diesem Kraftakt leider nicht bewundern.

Die gefährdete Kugelblume Globularia bisnagarica (Rote Liste 3+) war hier gar nicht so selten! Aber vor allem hübsch!

Aber dass dort eine Menge Kugelblumen und die Fruchtstände der Küchenschellen unterwegs waren, fiel sogar meiner Linse auf.

Auf dem Weg zwischen der Teufelskanzel und Esslingen durchwandert man ein Stückchen Wald.

Vor, im und nach dem Wald wurden wir immer wieder von ganzen Kissen von Schlüsselblumen (Primula veris) begleitet. Von der hohen Schlüsselblume durch ihr sattes Gelb zu unterscheiden.

Dort konnten wir, so vermute ich, eine Rötelmaus bewundern (die natürlich kurz vorm Auslösen des Fotoapparats zisch und weg war),

Nicht jeder wird gerne fotografiert. Das kann ja jeder nachfühlen.

einen Stängel Waldmeister für später einstecken

Der Waldmeister (Galium odoratum) lässt sich durch seinen vierkantigen Stiel schnell taktil erkennen. Außerdem verzweigt er sich nicht. Frisch gepflückt riecht er eigentlich nach nichts. Aber wenn man ihn ein Weilchen in der Tasche mitnimmt und welken lässt, entfaltet er bald sein Aroma.

und die Farbenpracht der Frühlingsplatterbse bewundern.

Warum hat die Frühlingsplatterbse (Lathyrus vernus) hat verschiedenfarbige Blüten? Nun mit dem Alter der Blüten sinkt deren Säuregehalt. Die im Zellsaft enthaltenen Anthocyane färben sich daher von rot zu blau – diesen Effekt kennst Du bestimmt vom Rot- bzw. Blaukraut! Man munkelt, dass das vielleicht eine Art Extra-Information für die bestäubenden Insekten ist.

Auch ein Beinwell hüpfte mir über den Weg.

Puh, ob es nun der gewöhnliche oder knollige Beinwell ist – ich tendierte zum gewöhnlichen! Aber die liebe Maria hat mich berichtigt, es muss der Knoten-Beinwell sein! Dankeschön!!

In Esslingen angekommen, stärkte sich die Familie an einem ToGo-Eisstand, der meiner Mutter leider keinen Beton-Gugelhupf verkaufen wollte. Der wäre aber genau bedacht auch nur schwer im Magen gelegen. Danach ging es wieder bergauf!

Ich tippe auf eine Luzula

Am Fels Kamm, eng an Kalkfelsen angeschmiegt fand ich dann endlich meine Haupt-Zielart: Die buchsblättrige Kreuzblume. Besonders gefällt mir daran das Farbspiel von gelb nach rot.

Besonders groß ist sie ja nicht, die Buchs-Kreuzblume (Polygala chamaebuxus)…

Der Familie gefiel daran wiederum etwas anderes besonders: Das Gestell, das ich zur Schau stellte, um das ganze fotografisch zu dokumentieren.

Ganz wichtig, wenn man kleine Dinge fotografieren will: Möglichst Yoga-artige Positionen einnehmen.

Der Anblick muss recht anstrengend gewesen sein, denn kurz darauf wurde zu an einer Bank mit phänomenalem Ausblick ein Päuschen eingelegt. Peter fand beim Pausieren eine rote Waldameise (denke ich mal).

Und ich erhorchte das für Baumpieper typische Laserkanonen-Geräusch, guckte ein bisschen gerade aus… und fand davon ein Pärchen auf der vor uns ausgebreiteten Kieferkrone.

Das letzte Stück Weg erblickte ich dann genau einmal eine Orchidee – nur die Blätter und halb zertreten am ausgelatschten Corona-Wanderweg – und versuchte meinen Eltern zu erklären, warum diese Steintürmchen nicht nur nicht hübsch, sondern auch nicht gut für die Natur sind.

5 Gründe, warum Steinmännchen schlecht für die Natur sind:

1. Die Steinchen kommen ja nicht von irgendwo. Die lagen früher einmal flächig auf und im Boden. Und es gibt Pflanzen und Tiere, die auf solche Schuttflächen angewiesen sind.

2. Die Steinmännchen werden oft noch weitab vom eigentlichen Wanderweg ausgeschichtet, das heißt, die Leute trampeln auf dem Weg noch jede Menge anderes Grünzeug nieder.

3. Die Steine werden manchmal richtig aus dem Boden ausgebuddelt, dabei wird der Boden gestört und es können sich leichter Pflanzen ansiedeln, die im jeweiligen Habitat nichts zu suchen haben (und vielleicht mit den dreckigen Wanderschuhen dort zusätzlich hin verschleppt werden)

4. Die Türmchen fliegen auch mal um und zerquetschen durch Gewicht und Wucht alles, worauf sie fallen (und werden dann geflissentlich wiedererrichtet)

5. Jetzt mal ehrlich: Es sieht einfach wirklich scheiße aus. Im Grunde ist es nichts anderes als ein schlechtes Grafitti. Genauso gut könntet Ihr lieben Steinmännchenbauer auf jeden Stein, an dem Ihr vorbei kommt kleine Pimmel malen. Das hätte einen ähnlichen Schmuckwert. (Ich hoffe, ich bringe hier niemanden auf Ideen). Müssen wir Menschen wirklich an jedem Flecken Erde, den wir lang laufen ein Schild aufstellen wo draufsteht „Ich war hier!“?

Quelle: Kannste jeden Biologen und Naturschützer fragen.

Schließlich erreichten wir wieder Solnhofen – an dessen Wanderparkplatz ganz offensichtlich jede Menge Leute parkten, um eigentlich nur ihren Müll loszuwerden. Leute, habt ihr schon mal was von der Tupperbox und der Mehrwegtrinkflasche gehört? Jedenfalls quellte der Mülleimer regelrecht über. Und nein, das ist nicht die Schuld von „der faulen Müllabfuhr“. Es halten nur einfach viel zu viele Leute für selbstverständlich, dass sie überall Müll mit hinnehmen dürfen. Dem ist kein Mülleimer gewachsen (gerade nicht, wenn wegen Corona plötzlich alle die Heimat erkunden). Da müsste man schon einen ganzen Container hinstellen, damit das für ein paar Tage reicht. Am besten zwei. Denn, sobald einer dasteht, karren Horden von Leuten noch ihren Hausmüll dahin, um Geld zu sparen.

Aber genug geärgert!

Zum Abschluss bekommt ihr ein schönes Amselbild!

„Vielen Dank, dass ihr wieder mal reingelesen habt!“

Eine Antwort auf „Nach langer Zeit zurück im Altmühltal (2)“

Seeehr schöne Aufnahmen! Das „jeder Biologe“ würde ich bei den Steinmännchen mal in Zweifel ziehen. Bekenne mich auch schuldig, das immer noch nicht schlimm zu finden(bei einzelnen Männchen, nicht bei ganzen Stränden). Hab aber auch nie ein Steinmännchen gebaut (und Pimmel auch nich). Aber die Diskussion würde hier zu lang und nervig werden. 😁 Naturschützer sind eh schlimmer als jede Verbotspartei. Zum Glück!

Auf jeden Fall toller Beitrag – würde gern sofort losziehen und auf deinen Spuren wan…dern.

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