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Reise Tagebuch

Back to the roots: Nach langer Zeit zurück ins Altmühltal (1)

Von Faltern und Ehrenpreisen

Seit Weihnachten war ich wegen Carola nicht mehr zurück in die Heimat gefahren. Jetzt hatte es sich endlich wieder ergeben. Es verschlug mich ins Altmühltal. Außer Verwandtschaft und Freunde besuchen – was kann man im Altmühltal am besten machen? Na klar: Wandern. Und dabei fotografieren!

Die erste kleine Wanderschaft unternahm ich mit Willi und Ruth vom LBV im Schambachtal bei Kipfenberg. Wir besuchten die LBV- Orchideenwiese, die mit ein bisschen Blick für pinkfarbene Details voller Breitblättrigem Knabenkraut stand (laut Willi geht die Zahl der Individuen auf der Fläche in den fünfstelligen Bereich). Jedes Jahr im Herbst wird sie gemäht und eine Truppe tatkräftiger Naturfreunde eilt herbei, um das Mahdgut abzutransportieren, damit die Wiese weiter nährstoffarm und damit orchideenfreundlich bleibt. Einmal war ich auch schon selbst dabei gewesen – war ein großer Spaß! Nicht zuletzt, weil die Fläche wirklich ordentlich nass ist. Es gibt Stellen, wo man schon mal plötzlich bis zum Anschlag mit dem Gummistiefel in ein Wasserloch tritt.
Dooferweise habe ich da kein Foto gemacht. Aber auf der Webseite vom LBV bekommt man einen schönen Eindruck!

Was ist ein Pult? – das fragt sich bestimmt der ein oder andere, wenn ihm erklärt wird, dass das nichts mit Schule zu tun hat. Im botanischen Kontext ist das einfach die Form, die eine in Horsten wachsende Pflanze annimmt, die sich über die Jahre ausbildet. Auf den Überresten des Vorjahres wächst die Pflanze einfach immer weiter nach oben. Man könnte sagen, das ist das Pendant der Gräser zu Baumringen.

Nicht weit davon besichtigten wir noch eine kleine alte Kapelle direkt am Schambach, die einen Quellaustritt markierte. Daneben umfloss die Schambach riesige Pulte von Sauergras, das ich noch nicht näher bestimmen konnte.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, welches Carex die Pulte hier gebildet hat. Nachtrag: Richard hat mich bestätigt: Carex paniculata sollte hinkommen!

Einen Sprung Weiter liegt die Orchideenwiese des BUND – oder eher ehemalige Orchideenwiese. Jetzt ist es eher eine Biber-Wiese. Der hat nämlich auf der Fläche für eine Drainage gesorgt, wodurch das Wasser von der Fläche in das angrenzende Bächlein abfließt. Dort trafen wir auf die erste Veronica dieses Tages. Nein, nicht Ferres, beccabunga!

Auf der Liste der essbaren Wildkräuter ist die Bachbunge definitv mit zu verorten. Früher hat man die Sprossspitzen gerne für Salat geerntet. Sie schmecken leicht bitter, enthalten viel Vitamin C und gelten als verdauungsfördernd. Man hat sie sogar mal für Frühjahrskuren zur Blutreinigung oder als Abführmittel genutzt. Wer Bachbunge ernten will, muss aber damit rechnen, nass zu werden!

Auf dem Gerippe der Aussichtsplattform (der Boden war vermodert und daher entfernt worden) verteilten wir uns und beobachteten zwei Paare von Graugänsen, die je ein Junges hüteten.

Die kleinen Graugänse haben sich leider immer verlässlich zum Auslöser-Klicken geduckt. Auf der Fläche trieben sich außerdem noch mindestens vier Eichelhäher herum.

Beim Klettern auf dem Gerüst musste man ganz schön aufpassen, nicht abzurutschen. Denn direkt unter der imaginären Rest-Plattform hatte ein Biber ein tiefes Loch hinterlassen. Ironischerweise ist dieselbe Plattform noch immer im Touristenführer der Region verzeichnet. Willi setzt sich aber bereits daran, die Gemeinde zu überzeugen, die Wiederinstandsetzung zu bezahlen!

Boloria euphrosyne Der Silberfleck-Perlmuttfalter. Seine Raupen ernähren sich von verschiedenen Veilchenarten und die Adulten werden oft an Günsel, Hahnenfuß, Disteln und eben Bachbunge beobachtet. Alles auf der Fläche auffindbar!

Zum Abschluss hopsten wir noch einen kleinen Sprung weiter Richtung Böhmfeld in ein weitläufiges Tal. Willi wollte uns noch ein paar Flecken zeigen. An einem hatte er vor vielen Jahren nur mit einer Schaufel und einem Schubkarren bewaffnet ein Loch ausgehoben, auf dass es sich mit Wasser fülle und den ansässigen Amphibien als Behausung diene. Nach den drei trockenen Jahren ließ sich dieser Aufwand aber leider nur noch erahnen. Immerhin trafen wir auf dem Weg dorthin noch auf Veronica zwei (chamaedrys) und drei (Veronica serpyllifolia).

Der Quendelehrenpreis Veronica serpyllifolia

Und da wir auch alle drei mit Kameras bewaffnet waren ging auch das Naturfreunde-typische Schlangestehen um ausnahmsweise stillsitzende Schmetterlinge los, bei dem der zweite oder dritte an der Reihe meist keine Aufnahme mehr bekommt.

Die Frühjahrsform von Araschnia levana, dem Landkärtchen-Falter. Die Sommerform unterscheidet sich oberseits so sehr von der Frühjahrsform, dass man früher glaubte, es handle sich um zwei verschiedene Arten.
Den Namen hat das Landkärtchen von seinen Flügelunterseiten, denn diese erinnern durch die helle Umrandung der Flügelfelder an eine Landkarte.

Wir liefen bis zu einem Punkt, wo offenbar roter und schwarzer Holunder aufgeforstet wurden, sahen dann auf die Uhr und wanderten wieder zurück, damit auch jeder pünktlich zu seinem Mittagessen kam.

Pyrgus malvae Der Kleiner Würfel-Dickkopffalter freut sich als Raupe über den Odermennig und flattert als Adulter bevorzugt über mit Schafen beweidete Kalkhalbtrockenrasen – was so ungefähr das Code-Habitat für das Altmühltal ist 🙂

Das erste Mal seit Monaten fühlte ich mich nach diesem Spaziergang wieder richtig glücklich, wach und geistig bereichert. Ich bin halt doch ein Mensch, der ein paar Leute um sich herum braucht 😊

Eine Antwort auf „Back to the roots: Nach langer Zeit zurück ins Altmühltal (1)“

So ein Aufenthalt in der Natur lässt einen wieder ruhig und zufrieden werden. Ein kostenloser und äusserst wertvoller Genuss, den man garnicht oft genug erleben kann!

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