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Reise Tagebuch

4. Februar 2018: The journey won’t find an end

Klo auf arabisch

Herzlich Willkommen zurück, geneigter Leser! Und zwar mit einem der ersten Anblicke, die uns in Dubai erwarteten. Klo und Bidet in einem, sehr praktisch.

Nach dieser kleinen Erleichterung und Erfrischung machen wir uns auf, zum nächsten Flugzeug zu finden. Wir verirren uns aber schon auf dem Weg zum Sicherheitscheck. Hübsche und nette Frauen mit roten Hüten helfen uns freundlich weiter. Dieses Mal wird meine Kamera nicht mehr verdächtigt, in Wirklichkeit mit Sprengstoff vollgestopft zu sein. Dafür gewinnen Annis Schuhe neue Qualitäten und enthalten jetzt offenbar Metall.

Wir suchen das Gate B31, das sich tatsächlich am komplett anderen Ende der riesigen Halle befindet. Auf dem Weg können wir neben schier endlosen Shopping-Gelegenheiten einige wunderhübsch verzierte A380 Airbusse bestaunen.

Man beachte die ausgewählte Bebilderung ausgewählter afrikanischer Großsäugetiere

Ebenfalls kann ich darüber staunen, wie trocken klimatisierte Luft in einem Wüstenstaat sein kann und in welch atemberaubenden Tempo meine Erkältung in solch einem Klima gedeiht. Ausgucke an die frische Luft wie z.B. am Flughafen SCHIPHOL in Amsterdam gibt es hier nicht – auch wenn man skeptisch sein darf, ob die Luft angenehmer gewesen wäre. Jedenfalls läuft mir die Nase schneller als man ein normales Päckchen Taschentücher auspacken kann und ich schaffe es nur deswegen, nicht mit einer Rotzglocke umherzulaufen, weil die Emirates-Speiseservietten aus extrem robustem Stoff beschaffen sind. Dem nicht genug. Mein rechtes Ohr hat immer noch den Druckausgleich nicht geschafft und Anni muss mich als temporär schwerhörig wahrnehmen.

Da unser nächster Flug noch ein Weilchen auf sich warten lässt, fläzen wir uns so gut als möglich in die Sitzbänke vor unserem Gate und ratzen ein wenig dahin. Kurz bevor wir in den nächsten Flieger steigen dürfen, kann ich auf dem rechten Ohr wieder hören. Glück gehabt! Denn der Kontrolleur am Gate versucht über das Rufen unserer Vornamen den Nachweis zu erbringen, dass wir unsere Identitäten nicht nur vortäuschen. Ich zeige ihm pflichtbewusst mein mitgeführten Flüssigkeiten – sämtliche Nasensprays – und zeige auf meine auf gefühlt Gérard Depardieu-Größe angeschwollene rote Nase. Er nickt verständnisvoll und wünscht mir, sichtlich besorgt, gute Besserung. Ich schreibe das im Januar 2021. Heute würde ich wohl panisch und gewaltsam gepackt und in eine Quarantänezelle gesteckt bis zur Besserung der Symptome. Immerhin hatte ich damals schon instinktiv die meiste Zeit eine provisorische Maske an – nicht um andere zu schützen, sondern um mir ein Schleimhaut-freundlicheres Klima zu schaffen.

Gegen 10:00 Ortszeit (Armbanduhr Heimatzeit: 7:00) dürfen wir dann den nächsten Flieger besteigen. Der ist genauso beschaffen wie der erste, ist ja schließlich mindestens wieder das gleiche Modell. Diesesmal bekommen wir auch noch liebevoll gepackte blaue Kulturtaschen mit allem, was man so braucht, Zahnpasta, -bürste und Handtuch inklusive.

Ich mache erst einmal aber ausgiebigen Gebrauch vom Kissen, denn meine Erkältung steht immer noch mit der Klimaanlagenluft auf Kriegsfuß, weswegen mir, sobald ich die Augen öffne, zeitgleich literweise Wasser in die Nase schießt. Da ich auch nicht wirklich schlafen kann, unterhalte ich mich irgendwie mit heruntergeladenen Hörbüchern vom Handy, denn das Hörangebot im Flugzeug ist ziemlich bescheuert. Ich bilde mir ein, hauptsächlich Zeug von Mark-Uwe Kling. Aber auch mal klischeehaft einen Vokabeltrainer wie im Film. Allerdings einen spanischen („El hermano – … – Der Bruder. El hermano“). Wenige Wochen nach Neuseeland war nämlich noch eine Botanik-Exkursion nach Teneriffa geplant.

Gegen Armbanduhr-Zeit 8:30 Uhr wurde das Mittagessen gereicht. Anni entschied sich für gegrillten Lachs mit Broccoli, ich mich für Hähnchen in scharfer Curry-Sauce mit Reis und Bohnen (es müssen Spritzbohnen gewesen sein, denn irgendwie konnte man sie nicht ohne Kollateralschaden anpieksen). Wir tauschten ein bisschen hin und her und befanden, dass beides sehr lecker war. Das Beifutter war wie beim ersten Teilflug auch wieder von mastfähiger Quantität und sehr guter Qualität. Und statt einem Weinchen wählten wir jetzt ein Bierchen.

Bis zur nächsten Mahlzeit nach Armbanduhr-Zeit um 14:00 Uhr (Pizza!) schaffe ich immerhin einen Film: Valerian. Sehr schön. Ich absolviere auch meinen ersten Flugzeug-Klogang ever und überlebe es, ohne vom Unterdruck nach draußen gezogen zu werden.
Bis wir gegen 18:30 Armbandzeit auf Höhe Melbourne sind, hat Anni sogar 3 Filme geschafft, Valerian noch dazu – während ich ansonsten weiter vor mich hin vegetiere.

Aber wo ist Melbourne?

Gut versteckt unter einer dichten, rosa-flauschigen Zuckerwatte-Wolkendecke! Das Flugzeug taucht schließlich in die Zuckerwatte ein, woraufhin eine noch in morgendliches Dunkel getauchte Buschlandschaft auftaucht. Die Landung klappt mit einem mir doch etwas unangenehmen Linksdrall, aber wir landen. Dieses Mal verzichten wir auf unseren ersten Landgang in Form eines Toilettenbesuchs, um uns nicht wieder gleich zu verirren. Wir folgen also der Masse direkt – die wissen ja bestimmt, wo es lang geht – und finden uns wieder in einem Gewirr von Schlangen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Mamba#/media/Datei:Dendroaspis_polylepis_striking.JPG

Nein, nicht die giftigen, die es in Australien so häufig sind. Natürlich in Menschen-Schlangen. Irgendwie meinen wir das Schauspiel so weit zu verstehen, dass man sich hier irgendwie gemäß seinem Pass und seiner weiteren Reiseabsicht anstellen soll. Wir fragen öfter mal nach, bekommen den australischen Reisefragebogen und füllen ihn aus und nach einer weiteren Fragerunde schickt uns das Personal in die purple-line. Die ist zwar eher yellow aber ok. Am nächsten Checkpoint für internationale Pässe (oder so) sagt man uns, wir müssten zum ePass. Also zum ePass. Und am ePass erfahren wir, dass wir uns nirgends hätten anstellen müssen. Wir hätten schon die ganze Zeit in der Transit-Station verbringen können. Wären wir mal lieber erst aufs Klo gegangen!

Klo auf australisch

Nachdem wir das also nachgeholt haben, folgen wir den Schildern zum „International Transit“. Die hören aber irgendwann einfach auf, ohne dass wir das Gefühl haben da zu sein. Wir fragen also einen freundlichen Mitarbeiter und gehen weiter. Dann sind wir wieder ratlos und fragen einen weiteren freundlichen Mitarbeiter. Auf halber Strecke zurück vom ersten freundlichen Mitarbeiter zum Ausgangspunkt der Odyssee entdecken wir nun endlich den Zugang zu unserem Ziel, versperrt von einem weiteren Sicherheitscheck. Dieses Mal aber in der Do-it-yourself- Ausführung. Nachdem wir uns brav selber gescannt und abgecheckt haben erklärt man uns netterweise auch noch, wo unser Gate ist (hat sich unsere allgemeine Orientierungslosigkeit etwa herumgesprochen?). Und schlussendlich sind wir dann auch wieder richtig! Endlich gibt es eine Runde kostenloses WIFI und ich kann meinen Liebsten mitteilen, dass ich – nur noch in einer seltsamen Form aber immerhin – noch existiere.

Nach Ortszeit sollte das Gate zum nächsten Flug um 08:45 Ortszeit öffnen – tut es aber nicht (Welche Armbanduhrzeit war, kann ich mittlerweile nicht mehr nachvollziehen, aber Freunde gediegener Zeitberechnungen dürfen sich hier gerne austoben). Aus Gewohnheit tun wir etwas typisch Deutsches: Wir stellen uns schonmal vor den Schalter. Ein offensichtlich weiterer Deutscher tut es uns gleich. Wir hören von irgendwoher „Those must be Germans!“ Ja mei!

Nach vielen Minuten bequemen sich zwei Menschen in pilotenartiger Kleidung durchs Gate und endlich wird auch uns aufgetan. Den Hinweis, man solle sich schlangentechnisch in Economy und Business aufteilen ignorieren wir gekonnt. So kommen in die Lage, uns auch mal die Businessclass anschauen zu dürfen. Setzen tun wir uns aber brav in unsere Economy-Sitze. Diese fallen bei Qantas allerdings etwas enger aus als bei Emirates. Aber wieder bleibt der dritte Platz in der Reihe frei, was wir sehr zu schätzen wissen. Meine Erkältung und sämtliche Nebenwirkungen auf meinen Hör- und Gleichgewichtssinn sind immer noch unter aller Kanone und das viel kleinere Flugzeug wackelt einfach besser im Wind. Ich schlage Anni „Mord im Orientexpress“ vor. Selbst versuche ich, einfach nur die Spucktüte nicht zu benutzen, indem ich die Augen zu mache.

Bald bekommen wir ein ganz ganz tolles Frühstück – immerhin damit habe ich keine Probleme. Es gibt ein Knuspermüsli mit griechischen Joghurt und dazu saisonales Obst (der Saison der südlichen Hemisphäre versteht sich). Genauer: Maracuja, Erdbeeren und Melone. Unglaublich lecker!

Kurz nach dem Frühstück, nicht mehr sooo weit von Neuseeland, geraten wir in massive Turbulenzen, die wir ganze 30 min angespannt gut festgeschnallt ertragen. Genau genommen bin ich so angespannt, dass ich vor Erschöpfung einschlafe. Erst beim ansetzenden Absinkflug verlassen wir diese Bodenwellen-Huckelpiste.

https://de.wikipedia.org/wiki/Cookstra%C3%9Fe#/media/Datei:Cook_Strait_(New_Zealand).jpg

Bald ist Land in Sicht! Wir nähern uns Wellington von der Südinsel her und befinden uns über der Cookstraße (Lesenswerter Wikipediaeintrag!). Gefühlt wird es plötzlich wieder mit jedem Meter ruckeliger. Anni setzt mich darüber in Kenntnis, dass der Flughafen von Wellington einer der am schwersten anfliegbaren Flughäfen der Welt ist. Dankeschön für den Hinweis im richtigen Moment! (Nachtrag: In diesem Ranking ist Wellington gar nicht mehr dabei!)

Wegen diesem Hinweis und aus allgemeiner einsetzender Seekrankheit kann ich jetzt nur noch aus dem Fenster gucken ohne zu speien.
Wo zum Geier wir da eigentlich landen wollen, kann ich nicht einmal sehen. Irgendwann taucht dann aber doch ein verdächtiges Stück Asphalt auf und das Flugzeug setzt auf – leicht wie eine Feder – und legt dann gefühlt eine Vollbremsung hin. Damit wir nicht gegen die nächste Mauer krachen auf der kaum zwei Kilometer langen Landebahn, schätze ich.

Ab jetzt gilt endgültig Neuseeland-Zeit und damit ist der 5. Februar angebrochen. Bis zum nächsten Mal!
Euer Tinschen!

Der zugehörige Original-Tagebucheintrag
Und der Rest mit etwas Ausblick auf die nächsten Reisetagebuch-Artikel 🙂

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