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Reise Tagebuch

3. Februar 2018: The journey begins

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Erste Amtshandlung vor Aufbruch: den Kollegen Bescheid geben, wo sie mich finden können, wenn Sie den nächsten Monat was brauchen! Zuhause packen und frühes Bett-nei1.

3. Februar: Um 6 Uhr Früh klingelt der Wecker; raus aus den Federn! Ich packe ein paar letzte 7 Sachen ein und genehmige mir ein opulentes Frühstück: 3 Rippen Lindt Salz-Karamell, dazu der gute russische Schwarztee mit Erdbeeraroma (Danke Axel, ohne Dich hätte ich ihn nie kennengelernt). Der Rest davon wandert in die Chillies-Flasche. Gegen 8 Uhr morgens bin ich bereit zur Abfahrt. Ich tanke eben noch für grausige 1,46€ voll und sammle dann meine Mitfahrerin Kerstin ein, die praktischerweise genau auf dem Weg zwischen Dresden und Kelheim ihre Eltern besucht und mir beim Aussteigen eine gute Reise wünscht.

Gegen 12 Uhr komme ich bei Tante Renate und Onkel Willi an. Dort darf ich mitessen an Willis Anti-Bauchiweh-Suppe, die mir mit meiner Erkältung auch nicht grad schlecht tut. Als meine tapfere Mitreisende Tantchen Anni ankommt, wird erst einmal unter großer körperlicher Anstrengung der Seesack mit unseren beiden  prallvollen Wanderrucksäcken bepackt. Schließlich soll das Riesen-Fetzen-Care-Paket (Inhalt aus dem Gedächtnisprotokoll: 50% Milkaschokolade, 50% Schminke) für meine Schwester Anna als zweites Gepäckstück mit dürfen. Anna machte damals gerade ein Work & Travel Jahr da unten und war unser Vorwand, dorthin zu fahren (statt nach Peru, wie es zuerst unser Plan war). Bis 16:00 Uhr schnacken wir vier so vor uns hin, dann serviert Renate uns unser letztes deutsches Schnitzel für einen Monat (und mein erstes seit Monaten) mit schön Pommes und Curryketchup. Total passend dazu trinke ich literweise Fencheltee. Kurz vor der Abfahrt um 17:00 wechsle ich schon mal von Jeans in Jogginghose und dann werden wir von unserem Chauffeur Willi nach München verfrachtet, wo wir ca. 18:30 ankommen und den Seesack beim Sperrgepäck aufgeben. So voll ist der gar nicht mehr so einfach zu transportieren.

Zwischendurch besuchen uns am Flughafen noch Mampfi und Sonja, damit ich ihnen den Schlüssel zu meiner Wohnung geben kann, damit sie sich ein schönes Wochenende in Dresden machen können. Das macht das Warten bis zum Boarding sehr viel unterhaltsamer. Wir trinken unsere letzten Vorräte Wasser (genau 0,833 Liter) und in der Schlange zum Sicherheitscheck finde ich das erste Symptom für die noch kommende Tortur: Den größten Batzen Zerumen, der jemals von selbst aus einem Gehörgang gekrochen ist (zu einem Bällchen geformt bestimmt drei Millimeter im Durchmesser). Ein bisschen stolz schnipse ich ihn ins Aus, nachdem ich kurz drüber nachdenke, ob ich ihn Anni zeigen soll.

Am Sicherheitscheck haben wir auch nochmal Spaß. Im Hohlraum zwischen Objektiv und Kamera-Korpus vermutet die Kontrolleurin Drogen, Waffen oder explosives Shampoo und bittet mich, die Kamera auseinander zu bauen. Als ich Anni am Ende der Kontrolle wiedersehe, meint sie, sie hätte einen Drogentest machen müssen. Am Check-in wirds wohl nie langweilig?

Bevor wir die Passkontrolle passieren, suchen wir noch einmal die Toilette auf für offensichtliche Zwecke und einen extra Spruz Deo2. Schließlich dürfen wir das bis jetzt größte „in Serienfertigung produzierte zivile Verkehrsflugzeug in der Geschichte der Luftfahrt“ betreten, einen Airbus A380. Das Flugunternehmen Emirates hatte sich freundlicherweise von der EU eine Hand voll davon bestellt.

Erster Eindruck: Super riesig, super dekadent, superschöne Stewardessen. Auf den Sitzen kommt man auch mit >150 kg noch klar, Economy! Decke, Kissen, Headset liegen auch schon bereit. Ich arrangiere mich ans Fenster, nachdem Tantchen ihrem Nichtchen dieses Privileg liebevoll ausgesprochen hat und stelle erschrocken fest, dass ich was auf dem Klo vergessen habe:
Thrombosestrümpfe anziehen. (Man ist ja jetzt fast 30 und hat schon früher zu weit kürzeren Flügen dicke Füße bekommen).

Ja wurscht, bims ja ich, Tinschä, ich zieh einfach mal eben blank – aus irgendeinem Grund (Gewichteinsparen?) habe ich an diesem Tag nur einen Tanga drunter – und lass die Jogginghose fallen. Da ich vorher keinen Probelauf mit den Strümpfen hatte, ackere ich mich eine gute halbe Stunde ab, bis diese passgenau ohne Einschnürungen meine Schenkel strapsartig umschmeicheln. Dann geht die Hose wieder drauf und die selbstgestrickten Hausschühchen von Tante Renate wandern statt Socken auf meine Füße. Erotikstunde vorbei.
Was man nicht alles macht, um eine vielschichtige Flugangst einzudämmen!

Während uns drinnen schon mal der Menü-Plan ausgeteilt wird, können wir draußen beobachten, wie die Tragflächen ordentlich zum Eiszapfen entfernen abgekärchert werden… Erinnert mich aber eher an Flüssigstickstoff als an Wasserdampf – na wer weiß?

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Der Abflug ist dann relativ unspektakulär, das Rollfeld ist wahrscheinlich salziger als das Tote Meer.

Wir ziehen uns dann mal das krasse Emirates-Unterhaltungsangebot rein. Ich finde ganz überrascht einen fünften Teil von Fluch der Karibik und bin überwältigt von Javier Bardem, von dem ich genauso wenig was mitbekommen hatte. Where was I???

Anni guckt in derselben Zeit „The Foreigner“ von Jackie Chan. Irgendwann zwischendurch dürfen wir uns dann unser Essen aussuchen und wählen beide „Sweet corn salad, Slow cooked beef with rosmary sauce and mashed potatoes3“ und als Nachspeise ein Chocolate Trifle und ich gönne mir dazu einen trockenen Rotwein.

Zum Essen dazu kommt  eine Packung Cracker, ein Brioche-Brötchen, Butter und ein Blöckchen Cheddar, was ich für später alles einhamstere, weil ich vom Hauptessen schon satt bin. Anni schafft vor der Landung noch „Three billboards outside Ebbing, Missouri„.

Irgendwo zwischen Mittelmeer und Rotem Meer fahren wir über ein paar Bodenwellen4

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… und bei sich dezent ankündigendem Sonnenaufgang – stimmungsvoll von einem in Todesangst schreienden Kleinkind untermalt – landen wir 6:30 Ortszeit (3:00 MEZ) mit atemberaubender Geschwindigkeit in Dubai, welches uns schon bei Abflug fröhliche Männer im Kaftan als Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten für einen Besuch schmackhaft machen wollten.
Ob wir dieses Angebot angenommen haben oder nicht, erfahrt Ihr beim nächsten Blogeintrag, denn der 4. Februar ist angebrochen und ich darf euch nicht mehr mehr erzählen!

…Wers nicht abwarten kann, auf der ersten Tagebuchseite stehen ein paar hart codierte Hinweise:

Unbenannt

Fußnoten:
1: Ein typischer Handlungsmarker aus den Reiseberichten des Geobotanik-Zirkels, der hier noch einige Male auftauchen wird.

2: Spitzer auf bayerisch!

3: zu deutsch: Zuckermaissalat, schongegarter Reinderbraten in Rosmarinsoße und dazu Kartoffelstampf

4: Ein vom Geobotanik-Zirkel geprägter Begriff für Turbulenzen

Hinweis: Einige der Links führen nach Amazon. Wenn Du den angepriesenen Artikel dann tatsächlich kaufst, bekomm ich was ab. In diesem Fall sage ich: „Dankeschön!“ – ansonsten versuche ich, die nach Möglichkeit auch lustig auszuwählen…

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