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Reise Tagebuch

Exkursion nach Wilhelmshaven&Helgoland: 5. April

Nach einem ausgiebigen, wie schon in Kroatien schief beäugten Spaghetti-Bolognese-Frühstück erwartete ich freudig die Rückkehr auf die tollste Insel wo gibt. Auf der Fahrt nach Cuxhaven zur Alten Liebe (Der Fährhafen, von wo aus man nach Helgoland kommt) zeigte sich mal wieder, dass Navis das natürliche menschliche Orientierungsvermögen komplett ausschalten können. Trotz meiner Bekräftigungen, dass wir richtig sind und das Schild zur alten Liebe in wenigen Metern auftauchen würde, verweilten wir wegen dem Navi einigen Minuten auf einem Netto-Parkplatz.

Wenn ich einmal wo war, weiß ich wo es hingeht (und bevor ich an einen neuen Ort komme, schaue ich mir in der Regel eine Karte an)

NoFun-Fact: Seit mir ein Smartphone auferlegt und ich daraufhin in seine Sklaverei geraten bin, komm ich auch nicht mehr so gut klar wie früher.

Tinschen 2020

Dies wurde schließlich bei der Weiterfahrt bestätigt: Es gab in Cuxhaven immer noch an der selben Stelle einen McDonalds nach dem kurz darauf die Alte Liebe ausgeschildert ist.

Christina Staudigl

Angekommen, schleppten wir unser Gepäck in die “Funny girl” und besetzten uns einige bequeme Sitzbänke unter Deck. Als die Fähre den Hafen verließ, beobachteten wir draußen, wie wir Cuxhaven hinter uns ließen.

Mit etwas Gegenwind und leicht flauen Mägen erreichten wir nach 2 Stunden endlich Helgoland. Es hatte sich bis auf die Baustellen im Hafen nichts verändert. Nur der Insel-Schlecker hatte in den letzten zwei Jahren eine Metamorphose zu einer “Edeka-Drogerie” durchgemacht.

Schlecker Helgoland

Außerdem hatte es tatsächlich auch auf Helgoland geschneit. Vor zwei Jahren hatte man uns erzählt, das wäre seit Ewigkeiten nicht mehr passiert. Jetzt schien es irgendwie total normal, keiner hat je was dazu gesagt.

Schnee auf Helgoland
Ostsicht aufs Oberland

Bevor es nach einem Zwischenaufenthalt im Labor tatsächlich an die Binos (Stereomikroskop mit Auflicht und vergleichsweise schwacher Vergrößerung) ging, bezogen wir noch eben oberflächlich unsere Zimmer. Aufgrund des ungeschriebenen Gesetzes von strikter Geschlechtertrennung in Jugendherbergen bekam ich nun eine Zimmergenossin. Ich teilte nun ein Zweierzimmer mit unserer brasilianischen Austauschstudentin (die beste Zeichnerin die ich je kennenlernen durfte!). Kaum hatten wir ein wenig in dem hellen, freundlichen Zimmer ausgepackt, mussten wir schon wieder einpacken.

Das andere Zweierzimmer nämlich war viel komfortabler *hüstel*:
Mit eigenem Bad, Bullaugenfenstern in den “Kojen”, ohne nerviges Tageslicht und ganz besonders luxuriös: Keine extra Schallabgrenzung zum Gang, so dass man bei der Party draußen immer voll dabei ist. Besonders toll fand ich auch, dass mein Schrank zugesperrt war. Was man nicht alles für einen glücklichen Exkursionsleiter tut. Der bezeichnete unser Zimmer den Rest der Exkursion auch liebevoll als “der Wandschrank”.  Aber nein, so schlimm fand ich das Zimmer nicht. So ein eigenes Bad hatte wirklich was für sich.

Muschelschale mit Bewuchs

Endlich ging es ins Labor, wo wir uns über einen frischen Trätschen-Fang voll bewachsenen Nordseeuntergrunds hermachten. Ich nahm mir eine Muschelschale mit einem Bewuchs von Tote Mannshand, Dreikantwürmern, Seepocken und krustigen Moostierchen (siehe oben). Bis zum nächsten Tag sollte ich alles einmal abgezeichnet haben, im nächsten Beitrag kommt das Gesamtkunstwerk.

Und nun kommt Ihr in den Genuss meiner Binobilder:

Tote Mannshand
Wie eine Tote-Manns-Hand wirklich aussieht…
Escherella immersa
Escherella immersa

Zu Abend aßen wir ab sofort in der Jugendherberge. Wie zu erwarten, war das nicht gerade ein Hochgenuss. Was genau es nochmal am ersten Abend gab, habe ich verdrängt. Eventuell war es so etwas ähnliches wie Gulasch.

Nach dem Essen kamen wir wieder zurück ins Labor und hörten uns einen Vortrag an. Der ein oder andere blieb danach noch im Labor um seinen eigenen Vortrag vorzubereiten oder weil ihn der Trätschen-Fang so begeisterte.

Hier noch ein paar an diesem Tag entstandene Videos:

Als ich ins Bett ging, schmückte ich noch mein Bullauge mit Thorbens Kuschelrobbe Robbie. Dann schlief ich relativ gut ein.

Es ist der 16. April, mein zweiter Arbeitstag, seit ich wieder zurück bin. Gestern hatte ich noch eine richtige „Helgoland-Depression“. Das gab sich aber wieder, als ich nachmittags in unserem “Moorauge” Köcherfliegenlarven auf dem Tümpelgrund entlangkrabbeln sah. Ich muss mir demnächst ein schönes Plastik-Aquarium zulegen, irgendwo pH-Streifen klauen und mir vielleicht ein Bino aus dem Tierhaus ausleihen…

Euer Tinschen.

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